Fallbeispiele

Fallbeispiel Neurologie

Zugang zur Rehabilitation:

Reha-Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung nach weiterbestehender Arbeitsunfähigkeit mit Ziel der beruflichen Wiedereingliederung 

Medizinische Anamnese / Teilhabeproblematik:

Z. Zeitpunkt d. Erkrankung 45-jährige Rehabilitandin, verh., 2 Kinder (14,16 J.)

Medizinische Diagnosen: Dissektion der Arteria Carotis interna links,

Thrombose der Arteria Media links im M1/M2-Übergang, lysiert,

Angiographischer Nachweis einer Dissektion der Arteria Carotis interna rechts und der Arteria Vertebralis links im Bereich der Atlasschleife, vorbestehende Migräne

Diagnose:  

Nichtflüssige Aphasie nach Schlaganfall

Berufliche Anamnese / Teilhabeproblematik:

Gelernte Steuerfachangestellte, nach Erziehungspause und Wohnortwechsel seit 17 Monaten als Verwaltungsfachkraft und Sekretärin bei einem Bildungsträger im Umfang von 28 Wochenstunden tätig. Diese Tätigkeit ist durch die gegebenen neurologischen Einschränkungen in der bisherigen Form nicht mehr zu leisten. Der Arbeitgeber ist offen für Eingliederungsgespräche. 

Aufnahmebefund: 

Sprachlich: Auditives Sprachverständnis beeinträchtigt (in guter Besserungstendenz), Probleme bei längeren oder komplexeren Anweisungen, Wortfindung: gehäuft semantische Paraphasien, nahe am Zielwort, Satzbildung in einfachem Rahmen möglich (SPO-Sätze), Artikulation durch initial bestehende Sprechapraxie beeinträchtigt, Lesen nach Therapie möglich, Schreiben nur bei hochfrequenten Begriffen

Neuropsychologisch: Grenzwertige Aufmerksamkeits-Intensität (Verlangsamung, rasche Ermüdbarkeit), Aufmerksamkeitsteilung nicht möglich, Transkodierungsprobleme bei Zahlen

Rehabilitationsverlauf der medizinisch-beruflichen Reha:

  • Sprachlich Trend in Richtung leichte bis mittelgradige nichtflüssige Aphasie
  • Leistungsstruktur unverändert, jedoch durchgängig Besserungen
  • Ablenkung und Mehrfachanforderungen (z.B. sprechen und schreiben, hören und schreiben) noch Handicap
  • Beratung/ Abklärung b. Arbeitgeber über geeigneten Aufgabenzuschnitt, Erprobung geeigneter Hilfsmittel (Tonaufzeichnungen, Diktiersoftware, Pausenmanagement…)
  • Neuropsychologisch neben Aufmerksamkeitstherapie Arbeiten an Textaufgaben mit planerischem Hintergrund, Ziel sicheres Verständnis, Umsetzung bei Planungs- und Terminierungsprozessen
  • Initiierung Lohnkostenzuschuss durch Integrationsamt
  • Parallel behutsame stufenweise Mehrbelastung direkt im Betrieb incl. Steigerung der Arbeitszeit auf leztendlich 7 Std/ Tag (4 Tage-Woche).

Rehabilitationsergebnis:
Entlassung arbeits- und erwerbsfähig, Rückkehr an den bestehenden Arbeitsplatz.

 

Fallbeispiel Psychiatrie

Zugang zur Rehabilitation:

Reha-Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung auf Veranlassung der Agentur für Arbeit nach weiterbestehender Arbeitsunfähigkeit mit Ziel der beruflichen Wiedereingliederung.

Medizinische Anamnese / Teilhabeproblematik:

Bei Aufnahme  35-jähriger Rehabilitand, Krankheitsbeginn  5 Jahre zuvor als Burnout im Rahmen sehr hoher Arbeitsbelastung, ambulante Psychotherapie und psychosomatische Rehabilitation mit vorübergehender Besserung. 

1 Jahr später psychotische Symptomatik bezogen auf den Arbeitsplatz, stationäre, teilstationäre und ambulante psychiatrische Behandlung. 

Diagnose: schizoaffektive Störung, gegenwärtig depressiv.

Berufliche Anamnese / Teilhabeproblematik:

Mittlere Reife, chemisch-technischer Assistent, bestehendes Arbeitsverhältnis als Pharmakant in der Herstellung und Abfüllung von Augen- und Nasentropfen (Früh-/Spätschicht). Einzelarbeitsplatz mit hoher Verantwortung, die sich der Rehabilitand nicht mehr zutraute. Er hatte bereits beim Arbeitgeber wegen einer Umsetzung in eine andere Tätigkeit nachgefragt, was abgelehnt worden war.

Aufnahmebefund: 

Minussymptomatik mit Einschränkungen in Selbstbehauptungs-, Kontakt-, Gruppenfähigkeit und Spontanaktivitäten. Rückzug aus einer Partnerschaft  ins Elternhaus.

Rehabilitationsverlauf der medizinisch-beruflichen Reha:

  • Psychiatrische Therapie mit Medikamentenumstellung, Kontaktaufnahme mit dem betriebsärztlichen Dienst 
  • Psychotherapie: stützend, kognitiv-verhaltenstherapeutisch
  • Sporttherapie mit Ziel der Aktivierung
  • Sozialberatung mit Kontaktaufnahme zum Arbeitgeber
  • Arbeitstherapie: Ergotherapie, Metall-, Elektrobereich und Druckerei mit Erreichen eines Teilleistungsvermögens bei reduziertem Arbeitstempo und Antriebsminderung, sozial zurückgezogenem Verhalten
  • Praktikum von 4 Wochen am Arbeitsplatz mit Aufbau einer Belastbarkeit bis 5 Stunden täglich, deshalb Empfehlung einer sich anschließenden 3-monatigen ambulanten beruflichen Anpassungsmaßnahme am Arbeitsplatz mit sukzessiver Steigerung des Leistungsvermögens

Rehabilitationsergebnis:

Entlassung arbeits- und erwerbsfähig, Rückkehr an den bestehenden Arbeitsplatz.

Fallbeispiel Pädiatrie / Innere Medizin

Zugang zur Rehabilitation:

Anträge auf Leistungen der Eingliederungshilfe (SGB XII/ SGB V) zur medizinisch-schulischen Rehabilitation und nachfolgende Anträge auf berufsfördernde Hilfen (SGB III/ SGB V) durch Kinderklinik

Diagnose:  

Mukoviszidose (cystische Fibrose)

Medizinisch-schulische Anamnese / Teilhabeproblematik:

Angeborene Stoffwechselerkrankung u.a. mit allmählicher Zerstörung der Lunge durch Problemkeime (Pseudomonas). Zur Info: Vor 30 Jahren verstarben die Patienten mit Mukoviszidose schon vor Erreichen des Erwachsenenalters; heute ist die durchschnittliche Lebenserwartung > 50 Jahre. Umfangreiche tägliche Therapien verlängern die Lebenszeiten entscheidend; die Integration in den Arbeitsmarkt setzt anspruchsvolle medizinisch- berufliche Hilfestellungen voraus.  

Im vorliegenden Fall Diagnosestellung im 1. Lebensjahr und Beginn der regelmäßigen Inhalationsbehandlung sowie weiterer Therapien. Wegen der krankheitstypischen chronischen Pseudomonasbesiedlung häufige, jeweils mehrwöchige, intravenöse antibiotische Behandlung in der Kinderklinik. Kein regelmäßiger Schulbesuch möglich.

Aufnahmebefund: 

Bei Aufnahme untergewichtig und entwicklungsretardiert. Lungenfunktion erheblich eingeschränkt. Massive Veränderung im Thorax-CT mit Zerstörung großer Lungenbezirke.

Rehabilitationsverlauf der medizinisch-beruflichen Reha:

  • Medizinisch-schulische Rehabilitation: Schulbesuch ohne größere Fehlzeiten bis zum Hauptschulabschluss; Sistieren der progredienten Lungenzerstörung durch gleichzeitige umfangreiche Therapien (2-3 Stunden täglich Inhalationtherapie/ Sekretdrainage)
    Kostenträger:  Eingliederungshilfe SGB XII in Kombination mit GKV (SGB V) 
  • Medizinisch-berufsvorbereitende Rehabilitation: Förderungslehrgang (BvB) zeitgleich mit psychologischer, physiotherapeutischer, sporttherapeutischer und pädagogische Begleitung sowie ambulanten und stationären medizinische Therapiemaßnahmen wie z.B. ambulante und stationäre intravenöse Antibiotikatherapie, Betreuung der regelmäßig durchzuführenden Dauertherapie in der Freizeit und am Arbeitsplatz
    Kostenträger:  BA (SGB III) in Kombination mit GKV (SGB V)
  • Medizinisch-berufliche Rehabilitation (überbetriebliche Ausbildung) : Ausbildung zum Bürokaufmann abgeschlossen unter o.g zeitgleichen Hilfestellungen/ Behandlungsmaßnahmen

Kostenträger: BA (SGB III) in Kombination mit GKV (SGB V)     

Rehabilitationsergebnis:

  • Gesundheit: Stabilisierung der chronischen Erkrankung: berufliche Belastungsphasen des Büroberufes sind möglich; Entwicklungsretardierung ausgeglichen.
  • Schulabschluss: Durch weitgehende Reduzierung von Fehlzeiten Lücken geschlossen und Schulabschluss erreicht
  • Berufliche Teilhabe: Nach BvB und überbetrieblicher Ausbildung im Rahmen der Phase II der Krankheit angepasster Ausbildungsabschluss; seither Berufstätigkeit.

Fallbeispiel Orthopädie

Zugang zur Rehabilitation:

Reha-Antrag bei der Deutschen Rentenverscherung nach weiterbestehender Arbeitsunfähigkeit mit Ziel der beruflichen Wiedereingliederung.

Medizinische Anamnese / Teilhabeproblematik:

Bei Aufnahme 23-jährige Rehabilitandin, bereits seit der Ausbildung wiederholt Hüftschmerzen, ambulante Therapien ohne wesentlichen Erfolg, seit 7 Monaten AU nach starken Hüftschmerzen mit Ausstrahlung bis in die Wade, zusätzliche depressive Symptomatik

Diagnose:  

Schnappende Hüfte bds., links führend, Coxalgien bds., Geringe Hüftdysplasie links, Reaktive depressive Verstimmung

Berufsbezogene Anamnese / Teilhabeproblematik:

Hauptschulabschluss, Ausbildung Bürokauffrau abgebrochen wg. Insolvenz d. Ausbildungsbetriebes, anschl. Ausbildung zur Altenpflegehelferin m. A., danach 4 Jahre Tätigkeit im Beruf mit großer Begeisterung. Sehr hohes, unrealistisches Interesse, in den erlernten Beruf zurückzukehren, bei gegebener Realität, dies gesundheitlich nicht mehr leisten zu können.

Aufnahmebefund: 

Eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit und –stabilität, starke Probleme/Schmerzen beim Heben und Lagern, deutliche Resignationstendenzen, leichte Reizbarkeit und Angespanntheit, ausgeprägte Besorgtheit bzgl. sozialer Absicherung. 

Negative gesundheitsbedingte Erwerbsprognose im erlernten Beruf  

Schuldenlast, verheiratet, keine Kinder, sehr angespannte Beziehungskonstellation (Gewalterfahrungen bevorstehende Trennung)

Rehabilitationsverlauf der medizinisch-beruflichen Reha:

  • Vier Wochen Rehaaufenthalt, intensive Therapie mit Krankengymnastik, MTT, Muskelkräftigung, Entspannungs-Therapie, Schmerzedukation und psychologische Unterstützung
  • LTA Empfehlung, integrierte 1-wöchige Eignungsabklärung und Arbeitserprobung im kaufmännischen Bereich, Patientin trauert dem Pflegeberuf sehr nach, will weiterhin im Gesundheitswesen arbeiten, Empfehlung einer Umschulung zur Kauffrau im Gesundheitswesen
  • Teilnahme am Nachsorgeprogramm IRENA 
  • Im Anschluss: Reha-Vorförderlehrgang zur Aufschulung von Defiziten in Mathematik/ Rechnen sowie intensiver psychologischer Begleitung (Bewältigung Abschied vom geliebten Beruf, Trennung vom Ehemann)
  • Behebung der Finanziellen Probleme durch Vermittlung Schuldnerberatung
  • Umschulung zur Kauffrau Gesundheitswesen, erfolgreicher Abschluss 
  • Vermittlung Einarbeitungspraktikum

Rehabilitationsergebnis:
Erfolgreiche berufliche Reintegration mit neuem Beruf: unbefristete Stelle als Kauffrau im Gesundheitswesen in Sanitätshaus.